
Nach längerer Zeit quillt mein "Ich" derart über, dass ich nicht nur schreiben will, sondern wieder schreiben muss. Die Welt in meinem Inneren und Äusseren muss einfach beschreiben werden. Während draussen noch Frühling und Winter miteinander ringen, hat Frau Primavera längst das Zepter übernommen. Die Tomatensetzlinge wachsen vor sich hin, die ersten Küken sind bereits befedert und die nächsten schlüpfen bald. Endlich wird es auch auf den Feldern langsam grün, so dass die Weidesaison eröffnet werden kann. Endlich ist es soweit. Unsere neuen Hoftiere können einziehen.
Schon seit längerem haben wir uns Gedanken dazu gemacht, wie wir unsere «Höger» am besten unterhalten können. Es sollte ein Tier her. Im Optimalfall ein eigenes Tier. Das Tier sollte nicht zu schwer sein und nicht zu viele Trittschäden verursachen. Das Tier sollte aber weder Ziege noch Schaf sein. Bald wurde klar, wir suchen nach einem Kamel, das diese Arbeit übernimmt.
Fündig wurden wir bei den Neuweltkameliden. Wir entschieden uns für Lamas. Je mehr wir uns mit diesem Tier beschäftigten, desto überzeugter wurden wir, dass dies unser Tier ist. Wir besuchten einen Lamahalter und liessen uns seine Tiere und Stallungen zeigen. Das Gefühl stimmte soweit, dass wir uns auch im Umfeld der Tiere recht wohlfühlten. Dann führte er uns auf die Weide und ab da hatten sie mein Herz.
Ich muss gestehen, ich freue mich riesig auf all den Mist, den die Tiere machen werden. Nein, ich meine damit nicht, dass sie Schabernack treiben. Das kann schon sein, aber ich freue mich auf den Mist. Frau Estate frohlockt schon jetzt in mir und vor meinem geistigen Auge sehe ich mich, wie ich diese zwei Centimeter langen Bohnen mit der Schaufel zusammennehme und in einen Eimer Fülle. In meiner Vorstellung breite ich sie zum Trocken aus um sie dann bei Bedarf wie Düngerklumpen gezielt zu den Blumen und Tomaten in die Erde stecken kann. Frau Estate jubelt und seiht Riesentomaten und üppig blühende Balkonkistchenbepflanzung.
Ob sich meine Vorstellung bewahrheitet oder ich mein Herz zu früh verschenkt habe, wird sich im Lauf des Sommers zeigen.